«Künstlich ist die Maschine. Die Intelligenz muss vom Menschen kommen.»
Künstliche Intelligenz verändert die Rolle von Lehrpersonen und Dozierenden. Roger Basler, Sven Ruoss und Pascal Vontobel sprechen über Chancen und Risiken im Bildungsalltag, neue Anforderungen an Ausbildungsverantwortliche und darüber, wie der Kurs «Künstliche Intelligenz in der Aus- und Weiterbildung» einen kompetenten Umgang mit dem Thema vermittelt.
Wie hat sich die Rolle von Ausbildungsverantwortlichen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert?
Roger Basler: Historisch gesehen war Wissen knapp und an Personen gebunden. Wer Wissen hatte, vermittelte es. Generative KI kehrt diese Logik um: Plausibel klingende Inhalte sind jederzeit auf Knopfdruck verfügbar, wodurch das blosse Liefern von Fakten an Wert verliert.
Sven Ruoss: Dadurch wechselt die Rolle von Lehrpersonen von der reinen Wissensvermittlung zur aktiven Lernbegleitung. Sie gewinnen Zeit und können sich auf das fokussieren, was Maschinen nicht können: Beziehungen, Motivation und kritisches Einordnen.
Pascal Vontobel: Gleichzeitig dürfen neue Kernkompetenzen nicht vergessen werden. Lehrpersonen müssen heute selbst KI-kompetent sein und lernen, KI gezielt und didaktisch sinnvoll einzusetzen.
Wo seht ihr aktuell die grössten Chancen von Künstlicher Intelligenz in der Aus- und Weiterbildung?
Sven Ruoss: Endlich Bildung, die sich der lernenden Person anpasst. KI ermöglicht individuelle Lernpfade für ganze Klassen: Jede und jeder wird dort abgeholt, wo er oder sie steht.
Pascal Vontobel: Dazu kommt die Entlastung der Dozierenden bei Vorbereitung, Differenzierung und Feedback. Die gewonnene Zeit kann stärker in den direkten Kontakt mit Lernenden fliessen.
Roger Basler: Genau. Vorbereitung, Materialerstellung, Übungsvarianten und erste Feedbackschleifen kosten viel Zeit. KI kann hier entlasten und schafft damit Raum für das, was wirklich zählt: Begleitung, Diskussion und das Beobachten von Lernprozessen.
Sven Ruoss: Dadurch zählt nicht mehr nur das Reproduzieren von Antworten, sondern vielmehr das Beurteilen, Hinterfragen und Weiterdenken. KI zwingt uns, das Wesentliche wieder ins Zentrum zu rücken.
Wo besteht aus eurer Sicht das grösste Risiko beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich?
Pascal Vontobel: Ich sehe das grösste Risiko im Verlust der eigenen Denkleistung, also im kognitiven Outsourcing. Wenn Lernende die KI denken lassen, statt sie zum Denken zu nutzen, entsteht eine Scheinkompetenz: Das Resultat stimmt, der Lernprozess hat aber nicht stattgefunden.
Roger Basler: Das ist der entscheidende Punkt: Wenn Lernende den ersten Denkschritt an die Maschine delegieren, trainieren sie genau jene Fähigkeiten ab, die Bildung aufbauen soll: argumentieren, strukturieren und kritisch urteilen.
Sven Ruoss: Hinzu kommen Datenschutzlücken und eine wachsende Kluft zwischen souveränen und abhängigen Nutzenden. Ein weiteres Risiko ist das blinde Vertrauen in fehlerhafte Outputs.
Roger Basler: Genau. Ohne Prüfkompetenz wird Plausibilität mit Wahrheit verwechselt. Deshalb ist es wichtig, zu definieren, an welchem Punkt das eigene Denken zwingend bleibt. Künstlich ist die Maschine. Die Intelligenz muss vom Menschen kommen.
Wie unterstützt der Kurs «Künstliche Intelligenz in der Aus- und Weiterbildung» die Teilnehmenden dabei, diesen Chancen und Herausforderungen zu begegnen?
Roger Basler: An vier kompakten Abenden lernen die Teilnehmenden generative KI kennen, üben wirksames Prompting und entwickeln eigene, didaktisch durchdachte Einsatzszenarien für den Unterrichts- und Prüfungskontext. Dabei bringen sie ihre konkreten Fragestellungen mit und arbeiten an realen Anwendungsfällen aus dem eigenen Berufsalltag.
Pascal Vontobel: Entscheidend ist dabei, dass der Kurs bei der Didaktik ansetzt, nicht beim Tool. Ebenso wichtig ist die kritische Seite: verantwortungsvoller Umgang, Datenschutz und die Grenzen der Systeme. So entsteht beides – konkrete Handlungskompetenz und die Haltung dahinter.
Für wen ist der Kurs besonders geeignet und welchen Mehrwert können die Teilnehmenden daraus mitnehmen?
Sven Ruoss: Geeignet ist der Kurs für Lehrpersonen und Dozierende aller Stufen, die KI nicht nur verstehen, sondern souverän einsetzen wollen.
Roger Basler: Wichtig zu erwähnen ist, dass technisches Vorwissen nicht nötig ist, wohl aber die Bereitschaft, das eigene Lehren zu hinterfragen. Der Mehrwert liegt für mich vor allem darin, Sicherheit im Umgang mit der Technologie zu gewinnen, sofort anwendbare Methoden mitzunehmen und einen klaren Kompass dafür zu entwickeln, wo KI hilft und wo sie schadet. Am Ende geht es nicht um mehr Werkzeuge, sondern um mehr Urteilsvermögen.
Sie sind über einen unserer Kooperationspartner hier. Schön, dass Sie da sind. Bei einer Lehrgangsanmeldung profitieren Sie automatisch von vergünstigten Konditionen. Der Rabatt wird bei der Rechnungsstellung direkt berücksichtigt. Bitte lassen Sie während des Buchungsprozesses die Cookies aktiviert, damit Ihr persönlicher Vorteil korrekt angewendet werden kann.
Wir freuen uns darauf, Sie auf Ihrem weiteren Karriereweg zu begleiten.