Wenn KI Einstiegsjobs verändert: Welche Kompetenzen jetzt wichtiger werden
32 Prozent weniger Einstiegspositionen in Berufen, die stark von KI betroffen sind. Zu diesem Ergebnis kommt der «jobs.ch KI Report 2026» von JobCloud. Untersucht wurden rund 7,3 Millionen Stelleninserate in der Schweiz. Ergänzt wurde die Analyse durch Befragungen von mehr als 3'600 Arbeitnehmenden und rund 850 Unternehmen. Besonders sichtbar ist die Entwicklung unter anderem in IT, Marketing, Administration und Finanzen. Die Zahlen werfen eine wichtige Frage auf: Was passiert, wenn KI zunehmend jene Aufgaben übernimmt, mit denen Berufseinsteiger:innen bisher Erfahrung gesammelt haben? Und vor allem: Was bedeutet das für die eigene berufliche Entwicklung?
KI verändert nicht nur Jobs, sondern Karrierewege
Technologische Veränderungen haben schon immer Tätigkeiten verschwinden und neue entstehen lassen. Bei generativer KI geschieht jedoch etwas Besonderes. Viele Aufgaben, die KI besonders gut unterstützen oder teilweise übernehmen kann, sind klassische Einstiegsaufgaben: Informationen zusammentragen, erste Analysen erstellen, Texte oder Präsentationen vorbereiten, Daten strukturieren, einfache Programmierarbeiten erledigen oder administrative Prozesse bearbeiten. Genau über solche Aufgaben haben junge Berufstätige bisher gelernt. Sie haben beobachtet, ausprobiert, Fehler gemacht, Feedback erhalten und schrittweise anspruchsvollere Aufgaben übernommen.
Wenn ein Teil dieser Tätigkeiten automatisiert wird, entsteht deshalb ein Paradox: Unternehmen benötigen erfahrene Fachkräfte – gleichzeitig könnten jene Aufgaben abnehmen, über die Menschen diese Erfahrung bisher aufgebaut haben. Auch JobCloud weist auf dieses langfristige Risiko hin: Wenn Unternehmen weniger Nachwuchskräfte einstellen, kann dies den Fachkräftepool von morgen verkleinern.
Die Antwort kann nicht sein, mit KI um Routinearbeit zu konkurrieren
Für Berufstätige bedeutet diese Entwicklung nicht, dass sich Weiterbildung nicht mehr lohnt. Vielmehr verändert sich, welche Kompetenzen wertvoll werden. Wer hauptsächlich Tätigkeiten beherrscht, die KI schnell und kostengünstig unterstützen kann, wird stärker unter Druck geraten. Deshalb wird es wichtiger, sich Fähigkeiten anzueignen, die über reine Ausführung hinausgehen. Dazu gehört zunächst der kompetente Umgang mit KI selbst. Die «AI Literacy» entwickelt sich zunehmend zu einer grundlegenden beruflichen Fähigkeit. Doch das allein reicht nicht.
Wer KI nutzt, muss Ergebnisse beurteilen können. Dafür braucht es Fachwissen. Man muss erkennen können, wenn Informationen fehlen, Annahmen falsch sind oder eine vorgeschlagene Lösung im konkreten Unternehmenskontext keinen Sinn ergibt.
Vom Ausführen zum Mitdenken
Der «Future of Jobs Report 2025» des World Economic Forum zeigt, dass technologische Fähigkeiten stark an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig zählen analytisches Denken, Resilienz, Flexibilität, Leadership und weitere menschliche Fähigkeiten weiterhin zu den zentralen Kompetenzen des Arbeitsmarkts. Das ergibt Sinn.
- KI kann einen Lösungsvorschlag erstellen. Aber jemand muss entscheiden, welches Problem überhaupt gelöst werden soll.
- KI kann Daten analysieren. Aber jemand muss beurteilen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
- KI kann einen Prozess beschreiben. Aber jemand muss verstehen, wie dieser Prozess mit anderen Teilen eines Unternehmens zusammenhängt.
Die entscheidende Entwicklung könnte deshalb lauten: Vom Ausführen zum Mitdenken. Vom Anwenden zum Beurteilen. Vom Bearbeiten einzelner Aufgaben zum Verstehen von Zusammenhängen.
Weiterbildung bekommt damit eine neue Bedeutung
Hier kommt der beruflichen Weiterbildung eine wichtige Rolle zu. Sie darf nicht nur zusätzliches Wissen vermitteln. Wissen allein ist durch KI leichter verfügbar geworden. Gute Weiterbildung muss Menschen befähigen, dieses Wissen anzuwenden, kritisch zu beurteilen und mit ihrer beruflichen Erfahrung zu verbinden.
Die höhere Berufsbildung bietet dafür besonders interessante Voraussetzungen. Sie baut auf praktischer Berufserfahrung auf und verbindet diese mit vertieftem Fachwissen und erweiterten Handlungskompetenzen. Damit kann Weiterbildung einen Entwicklungsschritt unterstützen, der im KI-Zeitalter wichtiger wird: weg von der reinen Ausführung hin zu anspruchsvolleren Fach-, Projekt- und Führungsaufgaben.
Erfahrung bleibt wertvoll – aber wir müssen sie anders aufbauen
KI wird Berufseinsteiger:innen nicht einfach überflüssig machen. Aber sie verändert, was ein guter Einstieg ins Berufsleben bedeutet. Unternehmen stehen dabei ebenso in der Verantwortung wie Arbeitnehmende.
Wenn klassische Einstiegsaufgaben automatisiert werden, müssen Unternehmen neue Wege schaffen, auf denen junge Mitarbeitende lernen, Verantwortung übernehmen und Erfahrung sammeln können. Und für Berufstätige wird es wichtiger, die eigene Entwicklung aktiv zu gestalten.
- Welche Tätigkeiten in meinem Beruf kann KI übernehmen?
- Wo brauche ich künftig mehr Fachwissen?
- Wo muss ich besser beurteilen können?
- Welche technologischen Kompetenzen fehlen mir?
- Und welche Fähigkeiten ermöglichen mir, anspruchsvollere Verantwortung zu übernehmen?
Die zentrale Frage ist deshalb nicht: «Wird KI meinen Job übernehmen?» Sondern: «Welche Fähigkeiten brauche ich, damit ich mit KI anspruchsvollere Aufgaben übernehmen kann?»
Weiterbildung kann darauf einen wichtigen Teil der Antwort geben. An der KV Luzern Berufsakademie verstehen wir Weiterbildung deshalb nicht nur als Vermittlung von Wissen. Sie soll Menschen befähigen, Veränderungen einzuordnen, neue Kompetenzen aufzubauen und ihre berufliche Entwicklung aktiv zu gestalten.
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